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Besetzung:

Ballett und Orchester

Dauer:

50 Minuten

verlegt bei:

Eigenverlag

Tonbeispiel:

Rezension:

Spielerisch und hintergründig „Rotkäppchen“ als Tanzspiel im Nikolaisaal

„Siehst Du, da sind schon die Musiker“, sagt ein Vater zu seinem kleinen Sohn beim Betreten des Nikolaisaals. Die hinter einer grün gemalten Hecke sitzenden Musiker der Kammerakademie verleihen dem Tanzspiel „Rotkäppchen“ von Anfang an besonderen Reiz. Anders als üblich bei Ballettaufführungen konnten die großen und kleinen Zuschauer im ausverkauften Nikolaisaal zusehen, wie die Musik gespielt wurde (Leitung: Roland Kluttig). Doch wenn Rotkäppchen, die Großmutter und der böse Wolf auftreten, richtet sich die Aufmerksamkeit des Publikums mit einem Durchschnittsalter unter 20 Jahren ganz auf sie. Auch die phantasievollen Gruppenszenen von den siebzig mitwirkenden Eleven des Ballettstudios Erxleben rufen viel Begeisterung hervor.

Mit diesem Auftragswerk hat die Kammerakademie Potsdam in vieler Hinsicht ein glückliches Händchen bewiesen. Der Komponist Gisbert Näther komponierte eine ungemein leichte, beschwingte Musik, die modern und tänzerisch zugleich klingt. Für die Hauptperson fand er treffende Motive, die das altbekannte Märchen vielseitig bereichern. Violine (Peter Rainer) und Cello (Jan Peter Kuschel), Horn (Andreas Bohm), Trompete (Matthias Kamps) und Pauke (Friedemann Werzlau) treten stets dann auf den Plan, wenn es spannend oder anrührend zugeht, bleiben aber originell und übertreiben nicht. Vielmehr dominiert ein spielerischer und hintergründiger Ton.

Leicht schräge Walzer und ein ungestümer Schlussmarsch steigern die ergötzlichen Ensembleszenen erheblich. Wenn allerdings blauschwarze Eichelhäher gemessen umherstaken, Unmengen von kleinen roten Igeln über die Bühne purzeln, Bienen, Blumen und kleine Waldfeen herumtänzeln, ruft schon der bloße Anblick Entzücken hervor. Zumal die Choreographie (Marita Erxleben) viel Phantasie und Humor besitzt und die kleinen Tänzerinnen, darunter nur ein einziger Junge, sehr gut mit der Musik mitgehen.

Richtig spannend wird es, wenn der große Wolf (Falilou Seck) dem Rotkäppchen begegnet, das er aber trotz großen Hungers noch einmal verschont. Doch endlich kann er es nicht mehr aushalten und es passiert, was passieren muss. Die Großmutter und Rotkäppchen werden aufgefressen: in Großmutters Alkoven hinter einem Vorhang, eine sehr glückliche Lösung (Bühne: Marek Hertel). Die Szenen erscheinen als schwarzweißes Schattenspiel wie in einem Stummfilm mit ungemein expressiver und märchenhafter Wirkung.

Rotkäppchen bezaubert von Anfang an, sie strahlt und tanzt mitreißend ihre Spagatsprünge, Pirouetten und sogar zwei Salti. Diese Rolle wurde Ellen Lehmann auf den Leib geschrieben. Die nur 1,50 Meter große Potsdamerin tanzt im Babelsberger Karnevalsclub und ist amtierende Deutsche Meisterin im Funkenmariechentanz, als erste aus den neuen Bundesländern.

Als Mutter und Großmutter zeigt Nadine Rosemann viel Geschick und tänzerische Hingabe. Zum klassisch-romantischen Ballett gehören natürlich auch ein Pas de Deux und ein Pax de Trois. Zum Finale zeigen Rotkäppchen und der Jäger (Lukas Simon) sowie die Großmutter noch einige glanzvolle Tanzfiguren.

Großer Beifall für ein gelungenes kleines Stück, das das Potsdamer Kulturleben sehr bereichert hat.

Babette Kaiserkern (Dienstag, 14. Februar 2006 - PNN)

 

 

 

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